Die Beziehung deines Lebens- Schweden JMR-Jugendfreizeit 2009

„Stört es dich, wenn ich mich neben dich setze?“, fragt eine Freizeitteilnehmerin und lässt sich im selben Moment neben mir auf den Bus- Sitzplatz fallen. Ich schüttele den Kopf und lächele sie an. „Jetzt dauert die Freizeit noch eine halbe Stunde, dann sind wir am Werre-Park und unsere Eltern holen uns ab. Ich werde euch alle vermissen.“, sagt sie und drückt mir einen Kuli und ihr Freizeit-Heft in die Hand. „Habe ich eigentlich schon deine Telefon-Nummer?“
Jetzt dauert es also noch eine halbe Stunde.
Ich werde ganz melancholisch und lasse die letzten zwei Wochen noch einmal in meinem Kopf Revue passieren.
Unter dem Namen „Schweden-Einsatzkommando“ (kurz: SEK) war unser Mitarbeiterteam motiviert und mit ganzem Herzen dabei. Markus Menninga, Kay Dominik Dreckschmidt, Christian Albrecht und Harry Braun standen ihren Mann und blühten vor allem beim „men’s day“ auf, als es darum ging, den Jungs Stärke und Durchhaltevermögen zu vermitteln. Veronika Martens und Tabea Nolting brachten weiblichen Wind in das SEK-Team und sorgten beim umgekehrten „girls day“ in Schweden für Gesichtsmasken, Kerzen und Fußbäder.
Manuel und Annina Kühme versorgten hungrige Teenager-Mägen mit Pizza, Pudding und anderem wirklich gutem Essen, das die Freizeit-Standards bei weitem übertraf.
Ihre beiden Söhne Mika (1 J.) und Lennard (4 J.) waren die heimlichen Stars der Freizeitteilnehmer.
Sina Pitschke und David Kühme kamen mit Hund Sky später dazu und halfen in der Küche und bei der Betreuung der Kinder.
Die gute Gemeinschaft zeichnete sich allerdings nicht nur durch das Mitarbeiter-Team aus. Die Teilnehmer fanden Freunde, nahmen Rücksicht und waren bei allen Aktionen dabei. Bei Regenwetter verbrachten wir Nachmittage in Haus, an denen keine Langeweile aufkam oder man sich gegenseitig auf die Nerven ging. Irgendjemand saß immer im „Chill-Raum“ mit einer Gitarre in der Hand und machte Lobpreis. Und irgendjemand setzte sich immer dazu.
Unser Haus war typisch schwedisch und direkt an einem kleinen See, der jeden Tag (ob bei Regen oder Sonnenschein) genutzt wurde. Ein größerer See war 15 Minuten Fußweg entfernt- dort waren wir Kanu fahren.
Tapfer und mutig zeigten sich die Jugendlichen bei der Kanutour, deren Höhepunkt das gemeinsame Grillen war. Beim Ausflug mit geliehenem Bus in die Stadt wurde eingekauft und in schwedischen Läden gestöbert- anschließend gingen wir noch zum Strand, an dem gerade ein Volleyballturnier stattfand. Ich lächele in Erinnerung an das Geländespiel, bei dem die Teilnehmer auf dem Grundstück um unser Haus verteilt wurden und mit verschiedenen Beschwerden ausgestattet- (Arme gebrochen, blind, taub, Querschnittsgelähmt)ohne zu sprechen, in den „Sanitätsbereich“ gelangen mussten. Gegenseitig trugen, schleppten, zogen und halfen sich die Teilnehmer, und schafften es schließlich tatsächlich, alle im „Sanitätsbereich“ anzukommen.
Zur Belohnung gab’s einen Tag zum Ausschlafen mit Frühstücks-Brunch.
Als Gegenstück zu den lauten, waghalsigen und aktionsgeladenen Nachmittagen gab es auch noch die ruhigeren Zeiten; wie zum Beispiel den „Tag der Stille“ an dem einen ganzen Nachmittag lang kein Wort fiel und die Teilnehmer schweigend an verschiedenen Stationen in der Bibel lesen, Gott „Danke“ sagen, Verse aufschreiben, und Jesu Tod und Auferstehung vor einem großen Kreuz nachempfinden konnten.
Abends gab es bei den Meetings eine Lobpreiszeit, die von Eric Nagel geleitet wurde. Er wurde von Nico Jesse unterstützt und an zwei Lobpreisabenden haben wir Gott laut und leise, sitzend, stehend oder tanzend angebetet.
Die Andachten wurden bei den Meetings jeden Abend von einem anderen Mitarbeiter gehalten, es ging unter anderem um Beziehungen, Freiheit und Verantwortung, authentisches Christsein, radikale Nachfolge, den Durst der Seele und Mauern, die uns von Gott trennen. Nach den Meetings hatten die Teilnehmer jeden Abend die Gelegenheit, noch sitzen zu bleiben und das Gespräch und Gebet der Mitarbeiter zu suchen. So waren Seelsorge und Gebet wichtige Bestandteile der Freizeit.
In den Familiengruppen trafen sich die Teilnehmer am Vormittag und konnten noch einmal Fragen zur Andacht am Vorabend stellen, in Hauskreis-Atmosphäre diskutieren und im geschützten Rahmen von sich erzählen- Gebetsanliegen auf den Tisch bringen oder einfach über „Gott und die Welt“ quatschen.
Am letzten Abend haben wir eine Segnung unter freiem Himmel direkt am See erlebt. Eine richtige Taufe folgt in Kürze auf deutschem Boden. Wir hatten eine Zeugnisrunde, bei der die Jugendlichen auch Rückmeldung über die Freizeit geben konnten. Uns wurde noch einmal bewusst, wie gesegnet die Zeit war und wie deutlich Gott in uns gewirkt hat. Er war jede einzelne Sekunde da und hat sich über jeden einzelnen Teilnehmer als sein geliebtes Kind gefreut. Zum Abschluss haben wir noch ein Abendmahl gefeiert- mit großem Brötchen und großem Glas Traubensaft für jeden.
Und jetzt sitze ich im Bus, die halbe Stunde ist zu ein paar Minuten geschrumpft und die Busfahrerin legt eine neue CD ein: „Time to say good bye“ trällert kitschig aus den Boxen.
Zum Abschied sieht mich eine Teilnehmerin an: „Aber es dauert ja nicht so lange, dann sehen wir uns beim Nachtreffen. Es war wirklich eine großartige Freizeit. Danke“
„Danke, Gott, dass du das ermöglicht hast“ denke ich und freue mich schon auf das, was er noch so mit der Jugendarbeit in OWL vorhat.
